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Adipositas und Diabetes

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Endokrinologe Prof. Dr. Gottfried Rudofsky und Ernährungsberaterin Sibylle Reimann erklären im Interview die Zusammenhänge von Ernährung, Adipositas und Diabetes.

Sibylle Reimann 

Ernährungsberaterin SVDE

Prof. Dr. med. Gottfried Rudofsky 

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie & Diabetologie

Frau Reimann, Herr Prof. Rudofsky, Sie praktizieren in denselben Räumlichkeiten, einerseits zu Ernährungsberatung, andererseits zu Diabetes und Adipositas. Die Patienten sind aber oft ebenso dieselben, richtig?
Rudofsky: Ja, denn aus Adipositas wird oft Diabetes. Dabei muss man wissen, dass man einen Diabetes durch die richtige Ernährung nicht nur effektiv behandeln kann, sondern durch eine adäquate Gewichtsabnahme auch «heilen» kann. Die Stoffwechsellage kann sich über Jahre in einen gesunden Bereich verbessern lassen, sodass wir fachlich von Remission sprechen.
Reimann: Richtig, die Remission von einem Typ-2-Diabetes kann gefördert werden, wenn eine möglichst ausgewogene und überwiegend pflanzliche Ernährung durchgeführt wird, bei der die reduzierte Kalorienzufuhr und Energiedichte der Lebensmittel beachtet werden.

Wie würden Sie Laien den Zusammenhang zwischen Adipositas und Diabetes erklären?
Rudofsky: Durch das steigende Gewicht kommt es zu einer Verschiebung des hormonellen Gleichgewichts, die zu einer verminderten Wirksamkeit des Insulins führt. Im Verhältnis zu den Erfordernissen ist dann zu wenig Insulin vorhanden, ein relativer Mangel also. Da Insulin der Regulator unseres Zuckerspiegels ist, kann dieser dann nicht mehr unten gehalten werden, er steigt an und folglich entsteht Diabetes.

Was ist der Unterschied zwischen einer Diät und gesunder Ernährung?
Reimann: EineDiät ist zeitlich begrenzt und/oder beinhaltet eine Restriktion, wie zum Beispiel bei einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit; Anm. der Redaktion). Entsprechend ist bei einer Diät oftmals auch Verzicht ein grosses Thema. Eine Diät zur langfristigen Gewichtsabnahme macht keinen Sinn, da die Gewichtsstabilisierung nach Abschluss der Diätphase wieder zunichtegemacht wird. Bei einer gesunden Ernährung sollte weder Verzicht noch Kalorienzählen im Vordergrund stehen. Vielmehr sollen Abwechslung und Ausgewogenheit zusammen mit Genuss Thema sein.

Welche Methoden gibt es, abgesehen von der Gewichtsreduktion über die Ernährung, Adipositas zu behandeln?
Rudofsky: Ernährung und Bewegung sind die Grundlagen. Diese können unterstützt werden durch operative Eingriffe oder durch medikamentöse Ansätze. Hier sind wir heute weiter als vor zehn Jahren. Beide Schritte sind langfristig. Dies ist beim Medikament für viele noch ungewohnt, da man annimmt, nach einer Phase könne man wieder darauf verzichten. In diesem Punkt wäre ich aber sehr vorsichtig.

Woran erkennt man eigentlich, dass man Diabetes hat?
Rudofsky: Der Beginn eines Diabetes liegt oft Jahre vor dem Erkennen. Typische Beschwerden können vermehrter Durst respektive vermehrtes Wasserlassen, Müdigkeit, Sehstörungen und Infektanfälligkeit sein.

Welche Rolle spielt die Ernährung für den Krankheitsverlauf, wenn jemand bereits Diabetes Typ 2 hat?
Reimann: Mit der richtigen Ernährung ist man so effektiv wie mit einem Medikament. Erste Schritte sind der Austausch von Weiss- hin zu Vollkornmehlprodukten, die Reduktion von Süssgetränken und ein Wechsel von kohlenhydratbasierter zu eiweissbasierter Kost.

Worauf kommt es also bei der Ernährung an, wenn man Adipositas und Diabetes vermeiden will?
Rudofsky: Problematisch ist, dass wir als Gesellschaft immer mehr bemüht sind, Energie zu sparen, und damit meine ich nicht den Strom, sondern, anstatt zu Fuss zu gehen, das E-Bike zu nutzen. Wichtig ist, dass wir Körperenergie verschwenden!
Reimann: Im Prinzip ist alles erlaubt, aber die Menge und Zusammensetzung macht’s. Das regelmässige Wiegen macht einem den Kurs bewusst, da Kalorien schwer zu zählen sind.

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