Max Lippuner, Präsident von Europa Uomo Schweiz, einer Prostata- und Männerkrebs-Patientenorganisation, lebt seit fast zwei Jahrzehnten mit Prostatakrebs. Seine persönliche Geschichte zeigt, wie moderne Diagnostik und Therapie neue Perspektiven eröffnen.
Mein persönlicher Weg
Mit 57 Jahren erhielt ich die Diagnose «grossvolumiger, hochaggressiver Prostatakrebs». Das ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann mit circa 6000 Neuerkrankungen pro Jahr in der Schweiz.1 Eine solche Mitteilung erschüttert zunächst alles: das eigene Körpergefühl, die Lebensplanung, die Sicherheit.
Gerade weil Prostatakrebs lange keine Beschwerden verursacht2, ist Früherkennung besonders wichtig. Männer sollten Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Denn früh erkannt ist die Erkrankung meist gut behandelbar.3
Nach sorgfältiger Abwägung der Behandlungsoptionen mit möglichen Nebenwirkungen wie Inkontinenz habe ich mich «nur» für Bestrahlung entschieden. Es folgten zehn Jahre ohne weitere Intervention – eine lange Phase der Stabilität und Dankbarkeit.
Doch dann zeigte ein ansteigender PSA-Wert einen Rückfall an. Dieser Wert ist nach Erstbehandlung ein sensibler Marker für erneute Krankheitsaktivität. Dank moderner, hochpräziser Bildgebung mittels PSMA-PET/CT konnten einzelne Tumorherde frühzeitig lokalisiert und die Situation gezielt beurteilt werden – auch in den Folgejahren.
Was ist PSMA?
PSMA (prostataspezifisches Membran-Antigen) ist ein Protein, das auf Prostatakrebszellen vermehrt vorkommt. Dadurch eignet es sich als Zielstruktur für moderne Diagnostik und Therapie.
Bei der PSMA-PET/CT wird ein Marker eingesetzt, der an PSMA bindet und Krebszellen in der Bildgebung sichtbar macht. So lassen sich selbst kleine Tumorherde präzise darstellen. Die Untersuchung ist in der Regel gut verträglich und liefert wichtige Entscheidungsgrundlagen.4
Gemäss prospektiven Langzeitdaten zeigt sich insgesamt ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis bei von Swissmedic zugelassener Diagnostik und Therapie, die auf PSMA beruhen.
Bedeutung über Prostatakrebs hinaus
Interessant ist, dass PSMA nicht nur bei Prostatakrebs vorkommt. Es findet sich auch in der Gefässneubildung anderer Tumorarten, wie etwa bei bestimmten Formen von Brust-, Lungen-, Colorectal- und Niere. In welchem Umfang sich aus dieser Beobachtung künftig neue diagnostische Ansätze ergeben, wird derzeit intensiv erforscht.
Mein Fazit
Seit meiner Diagnose 2007 setze ich mich intensiv mit medizinischen Innovationen, Studien, Versorgungsstandards und Kostenübernahme auseinander. Als Präsident von Europa Uomo Schweiz engagiere ich mich dafür, dass Betroffene verständliche Informationen erhalten und von Ärzt:innen und Politik ernst genommen werden. Konkret betrifft das die Förderung der Früherkennung und Screenings, die Verbesserung der Patientenbetreuung, die europaweite Vernetzung von Betroffenen sowie die Unterstützung von Selbsthilfegruppen und virtuellen Austauschmöglichkeiten mit Psychologen und Sexologen.
Patient:innen sind heute informierter, und das ist gut so!
Krebsmedizin wird zunehmend individualisiert. Präzisere Diagnostik schafft Klarheit, reduziert Unsicherheit und ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe.5 Meine Hoffnung ist, dass Innovation, Forschung und eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik weiter Hand in Hand gehen – damit wirksame und möglichst schonende Verfahren für alle Betroffenen kostengünstig zugänglich sind.
CH-NON-03329 04/2026
1 https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/zahlen-fakten/-dl-/fileadmin/downloads/sheets/zahlen-krebs-in-der-schweiz.pdf Letzter Zugriff: 16.03.2026
2 https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/prostatakrebs/was-ist-prostatakrebs Letzter Zugriff: 16.03.2026
3 https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/prostatakrebs/wie-wird-prostatakrebs-behandelt Letzter Zugriff: 16.03.2026
4 www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/prostatakrebs/diagnose-prostatakrebs/diagnose-prostatakrebs Letzter Zugriff: 16.03.2026
5 https://www.luks.ch/newsroom/krebsbehandlung-im-wandel-personalisierte-ansaetze-am-luks Letzter Zugriff: 16.03.2026