Das junge Basler Unternehmen Bottneuro entwickelt eine individuelle Neuromodulationstherapie. Dr. Alois Hopf, Chief Scientific Officer der Bottneuro AG, spricht im Interview über den innovativen Behandlungsansatz.

Alois C. Hopf, PhD
© Marion Fischer
Chief Scientific Officer der Bottneuro AG
Warum ist die Personalisierung in der Neurostimulation ein wegweisender Forschungsfortschritt?
Durch die Personalisierung können wir den einzelnen Patient:innen und ihrer individuellen Anatomie gerecht werden. Auf Basis eines MRT-Scans erstellen wir ein individuelles Computermodell und können dadurch die Elektrodenkonfiguration optimieren, um eine definierte therapeutische Dosis im gewünschten Hirnareal zu erzielen. Daraus entsteht ein 3D-gedruckter, patientenspezifischer Neurostimulator.
Welche Vorteile bringt die Heimanwendung im Alltag?
Wirksame Neurostimulationstherapien erfordern eine wiederholte Anwendung über einen längeren Zeitraum. Unser Ziel ist es, dass dafür keine regelmässigen Arztbesuche nötig sind und Betroffene die Therapie selbstständig zu Hause durchführen. Ärzt:innen geben den patientenspezifischen Neurostimulator in Auftrag, weisen die Patient:innen in dessen Handhabung ein und überwachen die Therapie anhand der Sitzungsprotokolle. Die wissenschaftliche und technische Komplexität steckt im System, die Anwendung selbst bleibt einfach. Dadurch können neueste wissenschaftliche Erkenntnisse direkt zu den Patient:innen gebracht werden und die Therapietreue kann gesteigert werden.
Wo steht Bottneuro aktuell im klinischen Entwicklungsprozess, und was sind die nächsten Schritte?
Nach unserer ersten klinischen Sicherheitsstudie am Universitätsspital Basel wurde Miamind als Custom-Made Medical Device registriert und wird nun seit rund anderthalb Jahren bei Patient:innen eingesetzt. Mittlerweile wurden bereits mehr als 30 Patient:innen mit verschiedenen Erkrankungen wie Alzheimer oder Depression behandelt, mit positivem Feedback zu Aufmerksamkeit, Kommunikationsfähigkeit und Wohlbefinden. Aktuell bereiten wir gemeinsam mit der Universität Bern eine randomisierte und Sham-kontrollierte Studie vor, um die Wirksamkeit der personalisierten Neurostimulation zur Alzheimer-Behandlung wissenschaftlich zu untersuchen.