Das sagt Prof. Dr. med. Jörg D. Leuppi. Im Interview klärt der Facharzt für Pneumologie zur Inhalationstherapie bei Asthma auf.

Prof. Dr. med. Jörg D. Leuppi
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Chief Academic Officer, Klinischer Professor für Innere Medizin, Universität Basel, Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Pneumologie, Kantonsspital Baselland, Universitäre Medizin und Forschung
Herr Prof. Leuppi, welche Rolle spielt das Inhalieren bei der Asthmatherapie?
Das Inhalieren ist der wichtigste Eckpfeiler der Therapie. Denn inhaliert gelangen die nötigen Medikamente direkt an den gewünschten Wirkort: die Schleimhaut der Bronchien. Die Inhalationstherapie wirkt schneller als eine systemische Therapie, was besonders im Notfall wichtig ist. Sie ermöglicht zudem eine geringere Wirkstoffdosis und verursacht weniger systemische Nebenwirkungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Voraussetzung ist jedoch die korrekte Anwendung der Inhalationshilfen.
Welche Medikamente und Inhalatoren gibt es bei Asthma, und wie unterscheiden sie sich?
Es kommen zwei Wirkstoffgruppen zum Einsatz: «Öffner», die die verkrampfte Bronchialmuskulatur entspannen, und Kortisonpräparate, die die Entzündung eindämmen. Manche Eltern fürchten, dass Kortison das Wachstum ihrer Kinder beeinträchtigen könnte. Eine Langzeitstudie aus Dänemark zeigte jedoch, dass diese Befürchtung unbegründet ist, sofern das Asthma damit gut behandelt ist.
Verabreicht werden die Medikamente über verschiedene Inhalationsgeräte, etwa über treibgasbetriebene Dosieraerosole. Diese erfordern eine gute Koordination zwischen dem Auslösen des Sprühstosses und dem Einatmen. Kindern und Erwachsenen mit Koordinationsschwierigkeiten hilft es daher, wenn Aerosole mit einer Vorschaltkammer (Spacer) verwendet werden. Sie erleichtert die Inhalation und kann dazu beitragen, dass der Wirkstoff besser in die Atemwege gelangt. Pulverinhalatoren erfordern dagegen einen kräftigen Atemzug, sie sind weniger geeignet bei einem Akutanfall oder bei Kleinkindern. Eine Kombi dieser beiden Gerätetypen sind atemzugsgesteuerte Dosieraerosole (Autohaler), die beim Einatmen automatisch auslösen. Vernebler wiederum wandeln das Medikament in feinen Nebel um. Sie eignen sich besonders für Kleinkinder und können bei akuten Atemnotfällen eingesetzt werden, da keine Koordination von Auslösen und Einatmen nötig ist. Welches Gerät zum Einsatz kommt, hängt von Alter, Atemkraft und individueller Handhabung ab. Entscheidend ist, dass die Patient es korrekt anwenden können.
Wie erlernen Patient den richtigen Umgang mit ihrem Inhalator?
Die behandelnden Ärzt sollten die korrekte Handhabung der Geräte vermitteln, ebenso die Apotheker, die sie aushändigen. Wichtig ist, dass die Ärzt immer wieder ein Auge darauf haben, wie die Patient die Inhalation handeln. Denn: Studien zeigen, dass bis zu 94 Prozent der Patient Fehler bei der Anwendung ihres Inhalators machen. Darüber hinaus finden sich im Internet gute Anleitungen, zum Beispiel bei der Lungenliga Schweiz.
Wie können Eltern Kinder dabei unterstützen, den Inhalator korrekt und zunehmend selbstständig anzuwenden?
Wichtig und zugleich schwierig ist, die betroffenen Kinder friedvoll dazu zu bringen, dass sie die Inhalation nicht als Last empfinden, sondern als ein Ritual praktizieren, das ihnen ermöglicht, ohne grössere Einschränkungen mit ihren Freunden zu spielen oder sich sportlich zu betätigen.
1 https://www.usz.ch/krankheit/asthma-bronchiale
2 https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/asthma
3 https://www.lungenliga.ch/krankheiten-therapien/asthma
4 https://www.lungenliga.ch/kurse-angebote/beratung-therapien/inhalationstherapie?region=lungenliga-schweiz
5 https://www.aerzteblatt.de/archiv/pdf/3a126293-3d9a-497c-b07a-bf365e1dcc7a
6 https://share.google/UYvxa2sUL1S5PksUf
7 https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM200010123431502
8 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S305047592501036X?via%3Dihub
9 https://www.lungenliga.ch/krankheiten-therapien/asthma/asthma-richtig-inhalieren
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